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FS-Blog

Das freisinnige Blog von Fritz Schmude.

Ich gehe nicht zu VK

2016-01-24 15:56
Der Vorgang ist unerhört und zeigt, dass die jetzige deutsche Regierung von freier Rede nicht mehr viel hält: Auf Druck des Bundesjustizministers Heiko Maas hat sich das weltweit größte soziale Netzwerk Facebook bereit erklärt, Beiträge von deutschen Nutzern zu prüfen, ob sie "Hassreden" enthalten und diese dann zu löschen.
Was "Hassreden" genau sein sollen, ist nirgends klar definiert, und das ist das Hauptproblem: Es werden ohne Gesetzestext und ohne unabhängigen Richterspruch Äußerungen von deutschen Bürgern in einem privaten Medium unterbunden. Das geschieht nicht, weil das private Unternehmen Facebook das so will - dieses Recht hätte es jederzeit! - sondern weil es der Regierung so gefällt.
Mehr noch, das Privatunternehmen Facebook hat monatelang hinhaltenden Widerstand gegen die Anmaasungen der deutschen Regierung geleistet. Vielleicht ist die Tatsache, dass Facebook für die Zensurtätigkeit einen externen Dienstleister (die Bertelsmann-Tochter Arvato) beauftragt hat, sogar eine Distanzierung von dem ganzen Vorhaben. Bisher hat Facebook etwaige Löschungen immer selbst vorgenommen. Die bisherige Löschpraxis war zwar auch schon kritikwürdig (Nacktbildchen verboten, Islamistenpropaganda erlaubt) aber wie gesagt, der Hausherr bestimmt die Regeln.

Nun will der Herr Minister die Regeln bestimmen, und zwar mittels des absichtlich unklaren Begriffes "Hassrede". Sollte das heißen, dass nun der breite Strom islamistischer Propaganda gestoppt werden sollte? Natürlich nicht. Der gesamte Kontext der letzten Monate ist völlig klar: Die Kritik an der "Flüchtlingspolitik" (besser: Unkontrollierte Masseneinwanderung von jungen, männlichen Muslimen) soll erschwert werden. Islamistische, auch antisemitische Propaganda bleibt unangetastet. Heiko Maas versteht den Begriff "Hassrede" ausnahmslos im Rahmen der linken Zwangsvorstellung "Kampf gegen Rechts".

Zum Glück für Heiko Maas und den Rest der politischen Klasse haben alle staatlichen und die meisten nichtstaatlichen Top-Down-Medien (Fernsehen, Zeitungen) diese "Politik" der Regierung den ganzen Wahnsinnssommer 2015 lang unterstützt und befeuert. Allein das Internet stellte für die Regierung einen echten Stolperstein dar. Ohne Internet hätten weder AfD noch Pegida ihre jetzige Bedeutung als Markennamen für die einzige Opposition im Lande erlangt. Das respektlose, proletige, unregulierte Internet, insbesondere Facebook, bildete die tatsächlichen Meinungen der Bevölkerung gnadenlos ab, tagesaktuell und ungefiltert.

Nun also Zensur. Tatsächlich habe ich den Eindruck, dass Beiträge von Islamkritikern neuerdings noch öfter gelöscht werden als bisher. Darunter sind auch Beiträge, die wirklich harmlos sind und keinerlei Rechtsverstöße enthalten.
Von mir selbst wurde bisher nichts gesperrt, aber das kann ja noch kommen.

In dieser unerfreulichen Situation hat sich eine neue Modewelle unter meinen Facebook-Freunden aufgebaut: Der Ausruf "Ich geh zu VK!".

Putins Facebook-Klon


VK ist ein Facebook-Klon, der sich im Besitz des Putin-Freundes Alischer Usmanow befindet.
Es ist auch kein Zufall, dass genau die Leute, die schon in der Vergangenheit das Versagen der deutschen Regierung zum Anlass für putinfreundliche und antiwestliche Denkweisen nahmen, nun heldenhaft die böse amerikanische Datenkrake Facebook verlassen und sich stattdessen in das lupenrein demokratische Netzwerk des Putin-Freundes flüchten.
Ähnlich wie der KGB in den 1980er Jahren versucht hat, die "Friedensbewegung" für sich zu vereinnahmen, umgarnen russische "Freunde" die heutigen Regierungsgegner. Dabei kommt ihnen ein alter deutscher Traum zugute.

Der alte deutsche Traum vom "Sonderweg" zwischen Ost und West, von "Äquidistanz" zum Westen und zu Russland ist ein Alptraum. Es handelt sich bei diesem Gedankengut um das Fortleben des antiwestlichen Denkens, das in Kaiserreich, Nazizeit und linkem Mainstream liebevoll kultiviert wurde und wird.
Dass man der AfD heute dieses Denken vorwirft, ist schon richtig. Sollen die Linken ruhig mit dem Finger auf Gauland und seine Fans in der AfD zeigen! Nur zeigen dann drei Finger auf die deutsche Linke zurück, die diese Denkweisen generationenlang konserviert hat.

Wer auf dem Planeten der antiliberalen (und daher antiwestlichen) Affen liberal sein will, kommt um die Solidarität der Demokratien nicht herum. Nur im Zusammenspiel können die Demokratien zu tragbaren Verteidigungskosten überleben.
Parolen wie das ehrliche "Raus aus der NATO!" oder das hinterfotzige "Äquidistanz!" sollte ein Liberaler niemals unterstützen.
Ein Liberaler schmeißt sich nicht einem de-facto-Diktator an den Hals, auch dann nicht, wenn er sich über die Dummheit der einheimischen Politiker ärgert.
Wenn ich jetzt zu VK ginge, hätte ich das Gefühl, all diese Irrwege zu unterstützen. Daher werde ich das sein lassen. Ich will den Westen vor seiner islamophilen Dummheit retten und nicht ihn bekämpfen.

Freundschaft mit allen Russen gebe ich jederzeit gerne. Unterstützung für Putin gibt es von mir nicht, gerade im Interesse der Russen, die besseres verdient hätten.

VK.com und Kreml


Filterblase


Der Vorteil der sozialen Netzwerke, dass man nur die Meinungen lesen muss, die einem behagen, ist auf Dauer ein Nachteil.
Die Deutschen, die nun bei VK sind, sind genau die, die die bunte "Flüchtlingspolitik" und die damit einhergehende Zensur bei Facebook kritisch sehen. Damit repräsentieren sie vielleicht die Mehrheit, aber nicht die Gänze der deutschen Gesellschaft.
Sie bilden also eine klassische Filterblase.
Was ich und hoffentlich auch andere vorhaben, ist nicht im eigenen Saft zu schmoren, sondern die wenigen Chancen zu nutzen, Mitbürger zum Aufwachen zu bringen.
Im Internet ist das prinzipiell möglich.
Es ist aber nur dann möglich, wenn man bereit ist, das Gespräch mit Andersdenkenden, also mit den arglosen Unterstützern der jetzigen deutschen Regierung, zu suchen.
Selbst wenn ich auf Facebook künftig mal zensiert werden sollte, so passiert es dort doch hin und wieder, dass Regierungsanhänger meine Aussagen zur Kenntnis nehmen. Auf VK würde ich nur dem Kirchenchor predigen.

Geschriebenes selbst sichern


Generell gilt, dass man sich nicht auf die Langmut anderer verlassen soll, wenn es darum geht, selbst etwas halbwegs dauerhaftes zu schreiben. Auch Konkurrenten von Facebook und VK können Beiträge nach Belieben löschen. Wer also nicht nur schreiben, sondern auch bleiben will, musste schon immer und muss erst recht heute seine Beiträge selbst sichern.

Mein bescheidenes Tagebüchel findet Ihr weiterhin hier, sowie auf Facebook, so lange es geht.

* * *
Kommentare
#1 von "Fritz Schmude": 2016-03-10 16:56
Die Open-Source-Alternative zu Facebook, VK und anderen ist "Diaspora", siehe z.B. diasporafoundation.org oder joindiaspora.com.

Wer es wagt, findet mich dort unter fritz_schmude@diasp.org.
1 Kommentar.

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