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Das freisinnige Blog von Fritz Schmude.

Werden Sie Wohnungsspitzel in München

2014-06-07 12:35
Kein Geld, aber auch keine Lust auf ernsthafte Arbeit wie Steine setzen, Mörtel mischen oder Dächer decken?
Dann hat die Münchner Stadtverwaltung jetzt etwas für Sie.
Werden Sie doch einfach Wohnungsspitzel!
Die Bewerbungsadresse ist ganz unten, aber vorher erzähle ich noch, wie es zu dieser einmaligen, nein, mehr als fünfmaligen(!) Chance im Staatsdienst gekommen ist.

Vorgeschichte


Wie jeder weiß, sind die Wohnungsmieten in München nicht gerade billig.
Muss also der Münchner Mietmarkt nicht stärker reguliert werden?
Nein, muss er nicht, sondern im Gegenteil.
Jeder der in München einen Lkw, einen Lagerraum, ein Hotelzimmer oder ein Büro mieten will, findet dank einer tollen Einrichtung namens "Kapitalismus" ein reichhaltiges Angebot, aus dem er je nach Vorlieben und Geldbeutel frei auswählen kann.
Jeder Wunsch kann erfüllt werden, Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.
Nur für Mietwohnungen gilt das nicht.
Warum ist in diesem Bereich das Angebot nicht so preiswert und reichhaltig, wie wir es aus den vorhin aufgezählten Bereichen kennen?
Das riesengroße Rätselraten über diese schwierige Frage könnte sein Ende finden, wenn man anstatt anderer Sozialisten einfach nur mal einen normalen Bürger, der seine Ersparnisse in eine Wohnung zur Weitervermietung investiert hat, befragen würde.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird man eine Geschichte von Mietnomaden zu hören bekommen, die man eben nicht wie im Wirtschaftsleben üblich durch einfache Kündigung, sondern erst nach langer Zeit, nervenzerfetzenden Gerichtsverfahren und hohen finanziellen Verlusten loswurde.
Nach so einer Erfahrung ist es klar, dass man nur noch an Firmen, an bald verschwindende Urlauber, an Verwandte oder wen auch immer, jedenfalls nicht mehr an die Klientel gewisser Parteien vermieten möchte.
Die Wohnung ist also vom Markt verschwunden, das Angebot wird knapper, die Preise der verbleibenden Mietwohnungen steigen.

In dieser Situation geht die Münchner Stadtregierung und -Verwaltung schon seit vielen Jahren nur zögerlich den Weg, hoffnungsvollen Vermietern die Bautätigkeit zu erleichtern.
Deutlich entschlossener geht sie den Weg, die Eigentümer vorhandener Wohnungen mit Repressalien zu überziehen (Erhaltungssatzungen, Zweckentfremdungssatzung usw.).
Der Horizont der Münchner Politiker reicht nicht weit genug zu sehen, dass man allein damit schon Investoren in künftigen Wohnraum abschreckt.

Eine Komplettübersicht, was man in München mit seinem Wohneigentum alles NICHT tun darf und welche Strafen bei einem Gebrauch des eigenen Eigentums, der dem Willen der Politiker nicht entspricht, drohen, findet man hier:
http://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Sozialreferat/Wohnungsamt/Zweckentfremdung.html

Nun sind solche detaillierten Vorschriften schwer zu kontrollieren.
Das Münchner Sozialreferat möchte daher zusätzlich zu den 25,5 bestehenden Arbeitsplätzen fünfeinhalb neue Stellen schaffen, auf denen weiterhin nichts anderes getan werden soll als "Zweckentfremdungen" aufzudecken und zu verfolgen.

Was wäre, wenn diese 5 bzw. 31(!) "Vollzeit-Äquivalente" nicht spitzeln, drohen und strafen, sondern Steine setzen, Mörtel mischen und Dächer decken würden?
Dann könnte tatsächlich eine Menge neuen Wohnraums entstehen.
Bleibende Werte für die Stadt München würden so geschaffen werden.

Da die 31 städtischen Mitarbeiter aber nichts dergleichen tun, sondern einfach nur in der Bürokratie arbeiten, musste das Sozialreferat zur Milchmädchen-Mathematik greifen:
"Setzt man voraus, dass bei Zweckentfremdung durch Ferienwohnungsnutzung jeweils ein zusätzlicher Bedarf von Sozialwohnungen entsteht, ist bereits der eingesparte Herstellungsaufwand von zwei zusätzlichen EOF-Wohnungen größer als die Kosten des hierzu jährlich zusätzlich eingesetzten städtischen Personals", Quelle hier:
http://www.ris-muenchen.de/RII2/RII/ris_vorlagen_detail.jsp?risid=3293081
(Im pdf-Dokument "Beschlussentwurf", Seite 7, unten)

Die Kosten für die neuen Sozialbürokraten, die hier so locker mit Wohnungsneubau gegen-"gerechnet" werden, betragen übrigens EUR 211.516,- für das verbleibende Jahr 2014 und ab 2015 dann jährlich EUR 340.255,-

Einstimmig gegen die AfD


Der Antrag, diese fünfeinhalb neuen Stellen einzurichten, wurde letzten Donnerstag (5.6.2014) im Sozialausschuss mit 16 Stimmen gegen die eine Stimme der AfD (meine) beschlossen.
Selbstkritisch muss ich zugeben, dass ich zu schlecht vorbereitet war und meine mündliche Rede daher einen etwas zu konfusen Verlauf nahm.
Dennoch sollte der Grundgedanke, dass man ein Angebot nicht dadurch verbessert, dass man seine Bereitsteller noch rigider gängelt, bei jedem Zuhörenden deutlich angekommen sein.

Wo war die FDP?


Die von der FDP geführte Stadtratsfraktion "FTB" war durch einen Parteilosen (Wolfgang Zeilnhofer-Rath) vertreten, der dem Antrag zustimmte.

Wo war die CSU?


Anwesend und über den schamlosen Sozialismus offenbar so geschockt, dass Sie sofort geschlossen dem Antrag zustimmte.

Oder könnte es sein, dass bereits die Rechtsgrundlage für die ganze Gängelungskampagne von CSU und FDP erfunden worden ist?

Aber genug politisiert und zurück zur Karriere meiner Leser in der Kommunalen Wohnungsverwaltung:

Landeshauptstadt München
Referat für Soziales
Amt für Wohnen und Migration
Fachbereich Wohnungsbestandssicherung
Franziskanerstraße 8
81669 München

Lassen Sie es mich wissen, wie es mit der Bewerbung klappt.

Kommunale Wohnungsverwaltung


Kommentare
#1 von "Alois Spezlmeier": 2014-06-07 14:28
Lieber Autor,
welche Qualifikation muss man mitbringen und welcher Verdienst erwartet einen. Beziehungsweise: Hat die Stadt irgendwo eine Stellenausschreibung im Angebot?
Liebe Grüße aus dem Münchner Norden :)
#2 von "Dr. Hans-Georg Jatzek": 2014-12-21 20:31
Sehr geehrter Herr Schmude,

Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen!

Zahlreiche Freunde, Bekannte und Mandanten überlegen sich angesichts der Vernichtung traditioneller Altersvorsorgekapitals (Renten- und Lebensversicherungen) durch die unverantwortliche Niedrigzinspolitik mit Mieteinnahmen ihre Altersvorsorge auf ein weiteres Standbein zu stellen.

Trotz der noch nie dagewesenen Finanzierungsmöglichkeiten scheitert dies letztendlich aus den von Ihnen beschriebenen Gründen.

Ich habe in diesem Zusammenhang schon mehrfach - teilweise bedingt durch schlechte Erfahrungen als Vermieter - die Auffassung gehört, dass man mit der ersten Fremdvermietung in dieser Republik ja schon faktisch "enteignet" ist und deshalb nur eine Eigennutzung oder Vermietung an Verwandte in Frage kommt.

Dieser Vorgang zeigt im Übrigen einmal mehr, dass die FDP sich nicht mehr der Liberalität verpflichtet fühlt, sondern nur noch dem Erhalt ihrer letzten verbliebenen Posten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Hans-Georg Jatzek
2 Kommentare.

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